Das Schicksal ist Post
Die meisten Menschen wehren sich vehement, wenn das Leben ungemütlich wird. Sie sehen ein Problem aus der Ferne kommen, schließen die Türen ab, vernageln die Fenster und verkriechen sich unter dem Sofa. Das Problem kommt trotzdem näher und klingelt irgendwann an der Tür. Dabei trägt das Wort seine Bedeutung ganz offen in sich. Pro heißt für. Ein Problem ist für etwas da. Genauso verhält es sich mit dem Schicksal. Die Sprache weiß es besser als unser Verstand. Schick kommt von schicken. Die alte Silbe Sal bedeutet Heil. Schicksal heißt demnach wörtlich, mir wird Heil geschickt. Es hat einen Absender. Es möchte dir helfen, zu dem zurückzufinden, wofür diese Inkarnation stattfindet.
Du kennst diese Spannung in dir. Du spürst tief drinnen, dass ein Umweg ansteht, und gleichzeitig wehrt sich dein Verstand gegen den Verlust der gewohnten Kontrolle. Das lineare Denken sucht dann nach Erklärungen im Gestern. Es nennt die Dinge Zufall. Wenn ein Ziegelstein von oben auf den Weg fällt, genau in dem Moment, in dem jemand vorbeigeht, staunen alle über diesen Zufall. Das lineare Denken müsste prüfen, wann der Stein gebrannt wurde, wie viel Regen er abbekam und warum der Mensch auf die Sekunde genau dort stand. Weil das niemand macht, nennen wir es Zufall. Die alte Überlieferung sieht das anders. Der Zufall fällt von oben zu. Manchmal liegen die Ursachen für das, was heute geschieht, in der Zukunft. Wenn du heute einkaufst, tust du das, weil du morgen essen möchtest. Manche Krankheit tritt heute auf, damit ein Mensch später zu einer höheren Erkenntnis gelangt.
Auch das Wort Berufung hat heute einen gefährlichen Klang bekommen. Die Menschen suchen sie im Außen und wollen der Größte, Beste oder Schönste sein. Dabei steckt der Ruf darin. Es ruft etwas in dir. Wenn die Welt zu laut wird und du funktionieren musst, bleibt dieser Ruf oft ungehört. Du hältst nach außen die Fassade aufrecht. Innerlich spürst du eine Leere, weil du ahnst, dass es um etwas anderes geht. Genau hier greift das Schicksal ein. Es schickt dir das Heil in Form von Situationen, die dich anhalten. Die Spannung zwischen dem, was du im Alltag leisten willst, und dem, was deine Seele einfordert, erzeugt Schmerz.
Gehe in der nächsten Woche anders damit um. Jedes Mal, wenn ein flüchtiger Moment dich aufhorchen lässt, stellst du genau eine Frage. Du fragst dich leise: „Was will mir das sagen?" Stelle diese Frage völlig absichtslos. Notiere dir den ersten Satz, der dir als Antwort in den Sinn kommt. Dein Zeichen spricht deine Sprache. Du deutest es ganz für dich allein.